„Stoff-Wacken 2016“ in Lichtenau

Liebe Nähfreundin,

vielen Dank, dass Du uns bei den Stoffwelten in Lichtenau am Tag der offenen Tür besucht hast. Wir – und auch jeder einzelne unserer Mitarbeiter – haben bis zum späten Nachmittag am Samstag ALLES gegeben, um den Besuch bei uns gut zu gestalten. Dem größten Teil hat es bei uns gefallen, die meisten haben einen Blick hinter die Kulissen bekommen und geschaut, wo ihre Stoffe herkommen, haben Nähfreunde getroffen uvm. Viele Freundschaften sind entstanden, neue Kontakte geknüpft, aber JA – sicherlich war auch nicht alles optimal, das ist völlig richtig.

Natürlich gibt es – wie bei jedem Event – auch kritische Stimmen. Und für diese kritischen Stimmen haben wir dieses Resümee verfasst.

Sollte es Dir nicht gefallen haben, tut uns das sehr leid. Vielleicht möchtest Du dann einiges zu Hintergründe, Überlegungen und kritischen Gedanken zu diesem Event lesen.

Am besten schnappst du dir eine Tasse Tee oder Kaffee und liest in Ruhe unsere Zeilen:

** Eintrittskarten und Goodie-Bag

Zunächst zur Goodie-Bag: Kaufmännisch wäre es am günstigsten gewesen, wenn wir jedem Besucher direkt am Eingang 5 oder 6 EURO im Tausch gegen die Eintrittskarte in die Hand gedrückt hätten, statt sie gegen eine Goodie-Bag zu tauschen. Dabei hätten wir noch Geld gespart!

Unsere Idee war jedem Besucher wirklich etwas zu SCHENKEN. Allein die Produktion des exklusiven Stoffs und die recht teure Tasche übersteigen im EINKAUFSWERT die fünf Euro ERHEBLICH! Dazu kommen die anderen Dinge, die in der Tasche enthalten waren, die uns natürlich auch Geld gekostet haben. Zusätzlich haben wir Den ganzen Jersey liebevoll und sorgfältig zugeschnitten und von Hand eingepackt, was nicht zu unterschätzende Personalkosten mit sich bringt (denn NEIN, man verdient bei uns einen fairen Lohn, keinen Hungerlohn!). Gekostet hat UNS also jede Tasche eher locker 10 EURO. Mal abgesehen vom wirklichen Wert, denn Stickdatei, Schnittmuster & Co. waren ja auch noch drin.

Wir denken, dass dies den Vorwurf, wir würden an den Eintrittskarten etwas verdienen, leicht entkräften kann. Denn für jede Eintrittskarte hat man ja auch was bekommen und nicht – wie das sonst so üblich ist – die Attraktionen finanziert. Alle Annehmlichkeiten (Hüpfburg, Kinderschminken, Karussell uvm…) haben wir aus unserer Tasche finanziert und nicht etwa durch den Verkauf der Eintrittskarten. Uns also vorzuwerfen, wir würden schon am Verkauf der Karten „reich“ ist wirklich leicht von der Hand zu weisen, wenn man dies vorherigen zwei Absätze mal betriebswirtschaftlich liest.

Aber wir haben die Eintrittskarten ja auch nicht verkauft, um damit Geld zu machen, sondern um planen zu können.

Insofern haben wir beim Vorwurf, dass wir auch Leute kostenlos aufs Gelände gelassen haben, wirklich kein schlechtes Gewissen. Die 5 EURO waren im Prinzip ja kein Eintrittspreis, sondern ein Preis für die Goodie-Bag, die wir GEWOLLT sehr stark subventioniert haben. In keinem (!) Fall ein schlechtes Geschäft für den Beschenkten. Kaufmännisch betrachtet für uns allerdings ein wirklich schlechtes Geschäft! Wir wollten euch gerne etwas schenken. Schade, dass das einige Kritiker nicht so sehen. Wir finden, dass wir euch ein schönes Geschenk mit durchaus bleibendem Wert gemacht haben, denn Tasche, Stickdatei und Schnittmuster kannst du auch in zwei Jahren noch benutzen 😉

** Einlass ohne Eintrittskarten

Wir haben selbst stundenlang an den Eingängen gestanden und Besucher persönlich begrüßt. Der Anteil an Leuten OHNE Karte war minimal! Wer in der Schlange stand und sich mal umgesehen oder einfach mal gefragt hat, der wird festgestellt haben, dass um einen rum nahezu alle eine Karte hatten. Es ist also völliger Quatsch zu behaupten, es hätte irgendeinen Einfluss auf die Menge an Menschen gehabt. Es wäre auch ohne diesen Einlass GENAUSO VOLL gewesen. Aber warum? Und wieso haben sich dann solche Schlangen gebildet, in denen man viel zu lange warten musste? Das beantworten wir später noch. Aber kurz zurück zum Einlass ohne Eintrittskarte:

Warum haben wir denn dann Leute ohne Eintrittskarte eingelassen? Ganz einfach – und wir haben uns lange den Kopf über diese Lösung zerbrochen:

So ein Fest mit tausenden Besuchern ist für so einen kleinen Ort wie LICHTENAU und die Menschen, die hier leben, durchaus auch eine Herausforderung, aber auch eine Belastung. Wir haben zwar von den Menschen hier bis jetzt ausschließlich POSITIVES Feedback erhalten, aber trotzdem fand sich der ein oder andere Lichtenauer für seinen Samstagseinkauf plötzlich im Stau vorm EDEKA wieder und brauchte eine halbe Stunde länger. Das lag nicht an mangelnden Parkflächen, sondern daran, dass die Zufahrtsstraßen sehr klein sind – Lichtenau ist eben ein kleiner, beschaulicher Ort. Ein Vergleich mit DEM Wacken also durchaus realistisch.

Unter diesem Aspekt konnten wir die Anwohner, die bei uns vor der Tür stehen und keine aktiven Facebook- oder Stoffwelten-Fans sind, nicht einfach nach Hause schicken mit dem Hinweis „Ihr hättet halt frühzeitig Karten kaufen müssen“. Da wir die Variante, dass man auch ohne Karte eingelassen wird, wirklich erst „kurz vor knapp“ verraten haben, war es tatsächlich so, dass nahezu niemand aus der Ferne spontan angereist ist und es hauptsächlich Einheimische waren, die spontan mal schauen wollten! Und die sind dann im Zweifel – wenn es ihnen zu voll war – einfach wieder umgedreht sind und wieder kommen, wenn unser Laden eröffnet ist. Dass man auch ohne Karten eingelassen wird, haben wir wirklich bis kurz vor Schluss geheim gehalten. Aber Menschen aus der Umgebung – und die waren es zu 98%, die keine Karte hatten – mussten wir einfach diese Chance geben. Denn ohne die Menschen in der Umgebung, die sehr zahlreich zu diesem Tag beigetragen haben, hätte ein solcher Tag nicht stattfinden können. Aber auch dazu später noch mehr. Der Vorwurf, es habe an den „Menschen ohne Karte“ gelegen, ist nicht haltbar, da der MESSBARE Anteil der Menschen, die keine Karte hatten, so klein war, dass er keinen eklatanten Einfluss auf die Gesamtzahl der Besucher hatte. Darüber hinaus hatten wir durchaus einen Teil an Besuchern ohne Karte bei der Planung der Gesamtmenge eingeplant, d.h. in allen Punkten berücksichtigt.

** Ihr macht Euch die Taschen voll

Insgesamt herrscht bei dem einen oder anderen vielleicht auch eine falsche Vorstellung, was für so eine Veranstaltung alles berücksichtigt werden muss und was so etwas kostet.

Wir haben den Tag nicht als Verkaufsveranstaltung geplant. Auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders aussieht: So eine Veranstaltung ist KEIN gutes Geschäft. Unsere größte Sorge war, wie auch schon beim letzten Tag der offenen Tür, dass noch spät Menschen extra von sehr weit her anreisen und dann keine Ware mehr vorfinden. Daher haben wir auch diesmal BERGE an Ware bestellt, geschnitten und bereitgestellt.

Das hat auch diesmal dazu geführt, dass trotz der vielen Verkäufe ein großer Teil der Ware noch hier liegt. Zudem ist er jetzt geschnitten und kann damit nicht einfach zurück in den normalen Verkauf, ist also für den Moment erstmal nichts, was uns irgendwie Geld bringt. Im Gegenteil. Es ist bezahlte Ware, die hier zunächst einfach liegt, wieder eingeräumt und gelagert werden muss. Aber das war uns klar, und das war es uns wert, damit auch um 15:00 Uhr noch Ware im Zelt liegt und man auch ganz spät noch eine super Auswahl hat. Zu den Kosten dieser Ware kommt der enorme Zeiteinsatz, der dazu geführt hat, dass wir in den sechs oder acht Wochen vor diesem Event wesentlich weniger Ware Online verkaufen konnten, also in dieser Zeit ERHEBLICH weniger Umsatz bei ERHEBLICH GESTIEGENEN Kosten hatten.

Kaufmännisch gesehen also ebenso kein gutes Geschäft! Allein die Personalkosten für so viele Besucher Stoff vorzuschneiden sind exorbitant hoch, abgesehen von den Mengen an Ware, die wir natürlich von unseren Lieferanten nicht gratis erhalten 😉 Sicherlich hat das der ein oder andere, der behauptet, wir würden „reich“ damit, nicht beachtet. Denn Stoff ist KEIN Produkt, was man – wie z.B. Getränkekisten – auf Kommission bekommt und hinterher zurücksenden kann, schon gar nicht, wenn es sich um aufgeschnittenen Stoff handelt.

Wir haben an keinem Ende gespart und nie darauf geachtet, ordentlich Profit aus dieser Veranstaltung zu ziehen. Deshalb haben wir alles aufgeboten, an dem Ihr – unsere Fans – Spaß habt – ohne Rücksicht auf die Kosten. Ich habe allein 1.500 Lollis für die Kinder gekauft, neben tausenden Malbüchern, samt Stiften. Allein die Kosten für den Aufbau und die Miete der Zelte lagen im FÜNFSTELLIGEN (!) Bereich. Allein um also die Kosten für die Zelte wieder drin zu haben, muss man doch schon eine ganze Menge Stoff verkaufen, zumal dann, wenn man ihn noch zu TOP-Preisen angeboten hat, wie wir das am Tag der offenen Tür getan haben 😉 Das sollte man bedenken, wenn man versucht die Veranstaltung unter Gesichtspunkten des Gewinns zu betrachten. Kostentechnisch dazu kamen dann ja auch noch Hüpfburg, Karussell, Kinderschminken, Feuerwehr, Sanitäter, Sicherheitsdienst, Kosten für unsere Gäste / Aussteller, die wir von Herzen gern übernommen haben und und und… von der Masse an bereitgestellter Ware und immensen Personalkosten mal abgesehen. Wir waren uns dieser Kosten voll bewusst und haben sie gern in Kauf genommen, denn es ist ja unstrittig, dass die meisten Fans von so einer Veranstaltung auch gern etwas mit nach Hause nehmen möchten. Allein aus diesem Grund haben wir überhaupt Stoffe verkauft. Nicht um jetzt besonders viel Geld zu verdienen. Das können wir nämlich besser online.

Fazit aus kaufmännischer Sicht: VERDIENEN tun wir im normalen Betrieb mehr, denn der Aufwand und die Kosten für einen Tag der offenen Tür sind schon gigantisch. Vielleicht ist das ja auch der Grund, weshalb wir der bisher einzige Onlinehändler sind, der sowas in diesem Stil überhaupt auf die Beine gestellt hat. Geld verdienen wir online, nicht offline!

Aber nochmal aus der Sicht des Kauf-Aspektes: Wir haben es nicht als reine Verkaufsveranstaltung geplant. Sonst hätten wir sicher nicht so viele Annehmlichkeiten aufgefahren, bei denen man sich nett zusammensetzen, plaudern, essen und trinken konnte. Mal abgesehen davon, konntet ihr drei „Größen“ der Nähszene (klimperklein, cherry picking, farbenmix) kennenlernen, hattet die Möglichkeiten hinter unsere Kulissen zu schauen, euch viele verschiedene Nähmaschinen sowie Näh-Einlagen von Freudenberg zeigen zu lassen und – theoretisch zumindest – die Chance so viele Nähfans kennenzulernen, wie sich in Deutschland zuvor noch NIE auf einen Schlag versammelt haben. Also eigentlich wohl doch ein Event der besonderen Art.

** Die Hitze

Die hohen Temperaturen waren wohl das letzte mit dem wir gerechnet hatten. Eher hatten wir erwartet, dass man Mitte September Heizlüfter fürs Zelt braucht. Zwar war sonniges Wetter angesagt, aber dass es so heiß werden würde haben wir und die meisten unserer Gäste (die ohne Sonnenschutz etc. ausgestattet waren) nicht gerechnet. Aber ja, die Hitze machte vielen zu schaffen, besonders denen, die in den Schlangen warten mussten – das ist völlig unstrittig und war auch wirklich nicht schön. Wir hatten im Vorfeld alle Sicherheitsauflagen mehr als erfüllt und von unserer Seite und auch auf unsere Kosten mehr Sanitäter bestellt als benötigt, trotzdem machten die Temperaturen schnelles Handeln nötig.

Ein Dank geht hier noch mal besonders an die Freiwillige Feuerwehr Lichtenau, die die Lage immer perfekt im Griff hatte. So wurde bereits direkt, als es heißer wurde als vorhergesagt, der örtliche Getränkemarkt geräumt und sämtliche Wasserkisten aufs Gelände geschleppt. Gut 1.000 Liter (eine TONNE!) wurden auf unsere Kosten kostenlos verteilt. Trotzdem ließ sich leider nicht verhindern, dass drei Menschen umgekippt oder mit Kreislaufproblemen sogar ins Krankenhaus gefahren werden mussten. Ganz sicher tut uns das sehr leid, denn sowas ist für niemanden schön. Leider passiert sowas aber auch außerhalb solcher Veranstaltungen bei dieser Wetterlage. Zweifelsfrei tut das Warten in einer Schlange sein Übriges dazu. Zur Frage, wie es zu dieser Schlange kommen konnte, kommen wir gleich natürlich noch.

Wir haben mit steigender Hitze und in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr ein zusätzliches Sanitätszelt und eine Einsatzzentrale aufbauen lassen und weitere Krankenwagen angefordert. Das wäre aber auch bei allen anderen Festen bei so einer Hitze so gewesen. Bei jedem Schützen- oder Volksfest werden Menschen mit Kreislaufproblemen in Krankenhäuser eingeliefert. Das klingt hart, ist ja aber leider so. Und noch einmal: Es tut uns für alle leid, die das Warten in den Anstellschlangen bei brütender Sonne nicht so gut vertragen haben und wegen Kreislaufproblemen behandelt werden mussten. Es tut uns leid und wir sind sicher, dass das bei 10 Grad weniger deutlich entspannter gelaufen wäre.

Trotzdem muss natürlich jeder bei diesem heißen Wetter für sich selbst entscheiden, ob er die Reise antritt. Denn dass es zumindest gewisse Warteschlangen gibt, war glaube ich jedem Besucher klar, wenn auch sicherlich nicht in diesem Ausmaß. Auch das ist völlig unstrittig. Aber unser Fehler war hier, dass wir im Vorfeld extra verkündet hatten, dass wir uns um ausreichend Sanitäter auch für Schwangere und Kinder kümmern. Das haben wir ganz bestimmt, schließt aber trotzdem nicht aus, dass jemand bei der Hitze Kreislaufprobleme bekommt.

Es tut uns trotzdem unendlich leid, dass eine schwangere Frau ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Das macht uns sehr traurig und selbstverständlich werden wir versuchen Kontakt aufzunehmen.

** Zu viele Leute…

Ja, wir haben alles gegeben, aber es hat nicht ganz geklappt. Das ist unstrittig und JA – es ist nicht alles perfekt gelaufen. Wir haben zunächst eine überschaubare Anzahl Karten verkauft. Nachdem wir die ersten Karten verkauft hatten und so viele enttäuscht waren, haben wir uns harscher Kritik aussetzen müssen. Unser Support war voll mit Beschwerden, wir würden nur „Elite-Kunden“ einladen, nie würden wir was für alle machen und überhaupt sollten wir doch bitte dafür sorgen, dass gefälligst alle die möchten, auch kommen können. Auch gab es viele, die uns künstliche Verknappung als widerliches Geschäftsgebaren vorgeworfen haben. Das hat uns echt sehr getroffen, denn es war und ist auch immer noch unser Ziel, am liebsten ALLE Kunden glücklich zu machen. Wir haben also nachgegeben, weil wir dachten, das schaffen wir schon, denn schließlich war noch genug Zeit bis zum Fest und wir haben die erweitere Zahl eingeplant. Das war sicherlich eine Entscheidung, die wir im Nachgang anders getroffen hätten bzw. wären wir lieber gern im beschaulichen Rahmen geblieben! Mit den Karten aus Stornos gab es also noch ein paar weitere Karten, obwohl wir das eigentlich nicht so geplant hatten. Wir dachten aber, dass wir das gut hinbekommen und so die harschen Vorwürfe anwenden können. Zumal es weit vor der Veranstaltung war, wir also alles etwas größer geplant haben.

Wir hatten ein Verkaufszelt mit einem Fassungsvermögen mit rund 700 Leuten geplant und gedacht der Rest wird sich auf dem großen Gelände schon verteilen. Real war es aber so, dass sich zunächst NICHTS auf dem Gelände verteilte, wirklich NICHTS!

Als rund die ersten 1.200 Gäste auf dem Gelände waren, ging erstmal NICHTS mehr vorwärts. Dass es ein NICHT-Verteilen auf dem Gelände geben könnte, hatten wir nicht erwartet, das war sicherlich einer der Fehler und ganz sicher auch ein Aspekt, den wir in der Planung stärker in den Blick hätten nehmen müssen.

Wir hatten reichlich andere „Attraktionen“ vorbereitet, die man bequem hätte ansteuern können, statt schnurstracks nur in der Schlange für das Verkaufszelt zu stehen. Stattdessen ging nahezu niemand der neu ankommenden Gäste aus der „ich-möchte-ins-Verkaufszelt-Schlange“ heraus, obwohl immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass es wirklich genug Stoff für alle gibt (was auch so war!) und man sich da wirklich nicht beeilen muss, um ins Verkaufszelt zu kommen.

Damit war leider der Rückstau vorprogrammiert, der sich natürlich bis zum Eingang zog. Das heißt, dass schon kurz nach dem Einlass sich die Menschen eben NICHT auf dem Gelände verteilten, sondern in einer langen Schlange standen. Wir haben dann – aus Gründen der Sicherheit – phasenweise erstmal keine Menschen mehr eingelassen. Natürlich hat das zu Unmut in der Warteschlange geführt. Das verstehen wir auch sehr gut, denn es war mega heiß und niemandem macht es Spaß in der Hitze zu stehen und zu warten. Schon gar nicht, wenn man darauf nicht vorbereitet war oder vielleicht sogar noch unzufriedene Kinder an der Seite hat. Das können wir wirklich nachvollziehen und wir wünschten, dass sich das so nicht dargestellt hätte. Aber wieso nun diese gigantischen Schlangen?

Wir hatten im Vorfeld propagiert, dass es genug Ware für alle gibt und dass es unmöglich sein wird, uns leer zu kaufen. Das war durchaus ernst gemeint, kam aber wohl nicht so an! Das tut uns sehr leid! Vielleicht waren wir da zu undeutlich. Wir dachten also, dass eben NICHT ein Großteil gleichzeitig um 10:00 Uhr kommen würde.

Wir hatten extra angekündigt, man möge ausdrücklich nicht gleich zu Anfang kommen, woran sich knapp 10% auch gehalten haben. Weit über 90% unserer Gäste kamen dummerweise direkt zu Beginn, was sich als befürchtet ungünstig erwies.

Wir zeigen euch hier mal ein Bild, was deutlich vor 10.00 Uhr entstanden ist. Dies verdeutlicht die Problematik:

ankunftszeit

Die ersten rund 1.200 Gäste konnten recht schnell – nachdem wir sie mit Goodie-Bags ausgestattet hatten –  aufs Gelände. Und die anderen Gäste? Genau da entstand die große Warteproblematik.

Denn bei einem Verkaufszelt für etwa 700 Personen kann man sich ausrechnen, dass es etwas dauert, bis es sich dort wieder leert. Das liegt ja schon allein daran, dass jeder der 700 Eingelassenen durchaus eine ganze Weile dort aufhält, um in Ruhe nach dem ein oder anderen Schnäppchen zu schauen. Das bedeutet, dass die Schlange, die sich hier bereits deutlich VOR zehn Uhr gebildet hatte, keine Chance hatte, bis Mittag „geleert“ zu werden. Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Menschen, die tatsächlich später kamen, noch die Reste dieser anfänglichen Schlange vorfanden und ebenfalls sehr lange warten mussten. Das tut uns mehr als leid! Wir haben uns verschätzt und nicht bedacht, dass sich unsere Gäste nicht wirklich – wie geplant – auf dem Geländen verteilen, sondern nahezu geschlossen in der Warteschlange für das Verkaufszelt standen. Dort standen auch viele Kinder, was wir ebenso so nicht geplant hatten. Wir waren davon ausgegangen, dass die, die mit Kindern kommen, zum Großteil dann eine zweite Person mitbringen, die in der nicht auszuschließenden Wartezeit vergnüglich spielen kann, deshalb ja auch die Spielangebote für die Kinder. Die Folge war ein z.T. MASSIVER Rückstau bei beißenden Temperaturen. Also eine mehr als ungünstige Mischung und die Hitze ist sicherlich auch dem ein oder andern zu Kopf gestiegen. Leider ließ sich das in der Situation nicht mehr vermeiden, wäre aber bei jedem anderen Event mit Wartezeit an diesem Tag auch so gewesen, z.B. in jedem Freizeitpark o.ä.

Wir hatten so viel Ware, dass nicht alle gleichzeitig ins Verkaufszelt stürzen müssen, was aber nicht wirklich Beachtung fand. Wir hatten das zwar vorher kommuniziert, aber anscheinend nicht ausreichend. Das war sicherlich ein Fehler! Und wir dachten, viele können sich ja auch nett unterhalten und sich dabei ins Gastronomiezelt setzen, einfach etwas quatschen. Hm, das war auch nicht so. Ihr habt Euch zwar alle nett unterhalten, aber wie wir gesehen haben, eher in der Schlange fürs Verkaufszelt. Das Gastronomie-Zelt war die meiste Zeit nur halb voll oder besser gesagt waren diese 300 qm meist ziemlich leer.

Grundsätzlich gab es auch genügend Parkflächen, problematisch war aber das Anreisen der gleichzeitig einrollenden Massen. Das liegt nicht an den vorhandenen Parkplätzen,  sondern an den Straßenverhältnissen in Lichtenau. Platt formuliert ist Lichtenau ein „Dorf“ in einem vergleichsweise strukturschwachen Gebiet (wie ihr auf dem Foto weiter oben sehen könnt, grenzt an unsere Halle unmittelbar „Wald und Wiese“). Kleine Straßen, keine Verkehrsampeln (nur eine einzige Fußgängerampel) und auch sonst eben nicht mit den Straßen in Städten vergleichbar. Der Verkehr konnte auf diesen kleinen Straßen nicht so gut abfließen, wie das in größeren Orten möglich gewesen wäre. Deshalb gab es z.T. nicht unerhebliche Staus, die von den örtlichen Feuerwehren aber geleitet und gesichert wurden. Zwischenzeitlich versank Lichtenau im Verkehr. Die Feuerwehr Lichtenau und die hinzu gezogenen Löschzüge Holtheim und Ebbinghausen hatten die Lage jederzeit perfekt im Griff. Und die Polizei hatte ein „hohes Verkehrsaufkommen“ zu melden und sonst nichts zu beanstanden (sonst wären sie natürlich auch sofort ausgerückt). Es gab also ein massives Verkehrsaufkommen – JA! Das langsame Abfließen ist aber eher den dörflichen Strukturen geschuldet, ein Vergleich mit dem Metal-Festival „Wacken“ also durchaus nicht ganz weit her geholt 😉

Wir haben an vieles gedacht und versucht fast alle Wünsche zu erfüllen, und wenn es nur die bereitgestellten Windeln in allen erdenklichen Größen, die Baby-Gläschen oder der Babygläschen-Wärmer ist. Aber mit diesen gleichzeitig ankommenden Massen gab es einige Probleme.

Vieles wäre anders gelaufen, wenn nicht gleich in der ersten Stunde mehr als 90% der Gäste vor der Tür gestanden hätten. Das soll nicht wie ein Vorwurf klingen, denn der ist es keineswegs. Es ist eine Beschreibung einer Tatsache. Wir konnten die Schlangen bis zum Mittag nicht abbauen und dadurch hatten auch die, die – wie gewünscht – erst Mittags kamen, noch die Schlange vom Vormittag vor sich, die sich bis dahin noch nicht abgebaut hatte. Das tut uns wirklich leid.

** Die unterschiedlichen Perspektiven

Wir sind stolz, dass wir Euch als unsere Fans haben. Ihr habt dieses Event erst möglich gemacht. Wir danken euch von Herzen dafür, dass ihr dabei gewesen seid!

Ja, es war nicht alles perfekt! Ja, es gab viel zu lange Wartezeiten in noch dazu schier unerträglicher Hitze. Ja, es sind einige mit enttäuschten Erwartungen wieder nach Hause gefahren. All das tut uns leid und wir hoffen, dass wir euch mit diesem Resumé die Hintergründe etwas nachvollziehbarer machen konnten.

Trotzdem gab es – auch wenn das für die, die am Samstag enttäuscht gefahren sind und nicht nachvollziehbar ist –  auch sehr, sehr viel an positiver Resonanz. Einem Großteil unserer Fans hat es gefallen und schon allein DAS war es uns wert! Wir danken vielmals für die lieben Worte, Gesten und Aufmerksamkeiten, die uns entgegenbracht wurden und aktuell entgegen gebracht werden. Wir freuen uns wirklich sehr darüber!

Von allen Fachbesuchern, die aus unserer „Branche“ kommen und die z.T. auch „under cover“ vor Ort waren, haben wir höchsten Respekt erhalten, uns einer solchen Veranstaltung überhaupt zu stellen und tatsächlich so etwas auf die Beine zu stellen. Menschen, die schon seit JAHRZEHNTEN in der Textilbranche arbeiten haben so etwas noch nicht erlebt und waren zutiefst beeindruckt, dass eine einzelne Firma es schaffen kann, so viele Nähfreunde zu mobilisieren, so ein Treffen zu arrangieren und das Nähen und die Nähbranche wieder ein Stück lebhafter und aktueller zu machen. Vielen Dank für diese unglaublich netten Rückmeldungen von Kollegen!!

Und auch unsere Gäste (Nähmaschinen Ernst, Firma Freudenberg, farbenmix, cherry picking und klimperklein) waren sehr beeindruckt und vor allem sehr gern Gast bei uns. Sie haben den allergrößten Teil unserer Gäste als sehr positiv empfunden und einen tollen Tag unter vielen Nähverrückten gehabt.

Bis jetzt reißen die Gäste hier bei uns nicht ab. Viele ortansässige Firmen, Bewohner aus Lichtenau, Bekannte usw. sind spontan zu uns gekommen. Sie gratulieren dazu, dass wir es geschafft haben, überhaupt ein Fest dieser Größe im vergleichsweise winzigen Lichtenau und mit Beteiligung der örtlichen Vereine zu wuppen, wohlwissend natürlich, dass es zwischenzeitlich erhebliche Schlangen (sei es in Form von Personen oder Autos) gegeben hat. Vielen Dank dafür!

** Für das nächste Mal

Wir haben versucht, euch einen Tag mit Nähverrückten zu ermöglichen. Vieles haben wir organisiert. Einiges lief super, anderes lief schief. Dazu stehen wir.

Zwischendurch waren wir immer wieder damit befasst Dinge zu ordnen, von denen wir NIEMALS gedacht hätten, das wir das tun müssen. Hier ein Eindruck von Ereignissen:

  • Kindern, die im Verkaufszelt Stoffe für ihre Mütter / Väter hielten, wurde diese von anderen aus der Hand gerissen.
  • Am Eingang führten wir zahlreiche Diskussionen, weshalb wir Schwangere, Besucher mit Kleinkindern und Gäste mit Beeinträchtigungen bevorzugt einlassen. Diese würden mit Kinderwagen & co das Gelände nur unnötig füllen.
  • Aus einem Kinderwagen wurde eine Goodiebag gestohlen, die nicht nur den üblichen Inhalt, sondern auch ein Ausweispapier und persönliche Gegenstände der Besitzerin beinhaltete.
  • Ein Kind wurde animiert in die Hose bzw. unser Verkaufszelt zu pieseln, weil die Mutter gerade Stoff kaufte.
  • Es haben nicht alle Schwangeren und Menschen mit Kleinkindern eine kurze Anstehzeit in den Schlangen gehabt. Schade, denn auch hierzu gab es unsererseits klare Anweisungen. Einen interessanten Blogbeitrag haben wir u.a. hier zu diesem Thema gelesen: www.engelinchen.de
  • Am Eingang hatten wir für die Kinder 1000 Päckchen Stifte und weit mehr als 1000 Exemplare neu gedruckte Malbücher (Volume III) stehen, damit sich die Kinder dort etwas holen konnten. Uns ist unerklärlich, wie es Erwachsene geben kann, die kistenweise Malbücher abschleppten, ohne gefragt zu haben.
  • Mehrere Menschen wurden von Seiten des Sicherheitsdienstes – obwohl es dazu ganz klare Absprachen gab – nicht unverzüglich wieder auf das Gelände gelassen, wenn sie auf dem WC waren. Wir haben uns, sowie uns das bekannt wurde, unverzüglich eingeschaltet, denn das war wirklich anders besprochen! Wir können uns hierfür nur entschuldigen. Ein Gespräch mit dem Verantwortlichen fand bereits statt!
  • Einige haben sich in den Warteschlangen vorgedrängelt, sich rücksichtlos gegenüber anderen Verhalten.

Warum wir diese Eindrücke hier wiedergeben? Weil es genau SO und nicht anders gewesen ist. Da gibt es nichts schön zu reden und leider haben auch einige kleine, persönlich zu verantwortende Fehltritte das große ganze für den ein oder anderen zu einem Event mit Beigeschmack gemacht. Wir können und möchten und in diesen und allen ggf. nicht erwähnten Fällen in aller Form für das teils fragwürdige, unsoziale Verhalten entschuldigen. Es tut uns leid! Es war für uns nicht vorstellbar, dass sowas passieren kann oder würde, denn bisher haben wir unsere Kunden zum allergrößten Teil als wirklich äußerst nett empfunden!

** Sorry!

Wir wollten (und haben es auch nicht!) mit dem Tag der offenen Tür kein Geld verdienen, sondern unseren Fans die Möglichkeit geben einfach mal vorbeizuschauen und bei uns zu gucken, und einen schönen Tag zu verbringen. Das ist zum Teil gelungen, zum Teil aber auch nicht. Wir sind sehr traurig darüber.

Vielleicht hast Du bei uns etwas anderes vorgefunden als Du erwartet hast. Vielleicht bist Du auch nicht so weit gekommen wie Du wolltest, weil die Schlangen zu lang waren. Aber hey, du warst dabei, beim größten Treffen von „Nähverrückten“ – „Stoff-Wacken“ eben. Und an dieses verrückte Erlebnis wirst Du Dich wahrscheinlich noch in Jahren erinnern. So ein Fest von Nähverrückten hat es noch nie gegeben und wer weiß, ob es das jemals wieder geben wird. Insofern schließen wir auch mit der Bilanz, dass WIR uns gefreut haben, euch bei uns begrüßen zu dürfen.

WIR sind – trotz aller Dinge, die nicht perfekt gelaufen sind – sehr glücklich damit, dass wir viele von euch endlich live treffen konnten. Wir sind glücklich, das viele von euch völlig verschwitzt, total geflasht, ziemlich ermüdet aber doch glücklich nach Hause gefahren sind. Und für die, die es nicht sind, tut es uns leid! Wir werden – egal, was demnächst so kommen wird – klarer schreiben, was euch erwartet. Denn dann können wir sicher der ein oder anderen Enttäuschung  vorbeugen und sicherlich könnte dann der ein oder andere besser entscheiden, ob er kommen mag, oder lieber nicht.

Für dieses Resümee haben wir uns vergleichsweise viel Zeit genommen, denn uns liegt etwas an jedem einzelnen Gast, jedem einzelnen Kunden. Die meisten Gäste waren völlig verschwitzt, angestrengt, aber doch glücklich. Geschrieben haben wir diese Zeilen für die, die nicht zufrieden waren, denn die gibt es – wie bei jedem Event – auch bei uns. Unser Resümee wird aber einigen verständlich machen, was überhaupt alles hinter einer solchen Veranstaltung steckt! Wir danken allen, die uns ihre konstruktive Kritik per Mail geschickt haben und so dazu beigetragen haben, dass wir „Stoff-Wacken 2016“ reflektieren und diesen Text schreiben konnten! Habt vielen Dank!

Wir wiederholen deshalb nochmal, was uns wirklich wichtig ist: Ja, es war nicht alles perfekt! Ja, es gab viel zu lange Wartezeiten. Ja, es sind einige mit enttäuschten Erwartungen wieder nach Hause gefahren. Das tut uns leid!

Ganz liebe Grüße,
von Gundula & Gunter